Campingfahrzeug selbst ausbauen?
Der Campingfahrzeug und -Zubehörmarkt bietet heute für alle erdenklichen Problemfälle und ausgefallenen Anforderungen bereits ganz gute Lösungen. Allerdings steigt mit der Ausgefallenheit der Lösung auch deren Preis. Nicht jeder kann oder will den geforderten Preis bezahlen. Es ist natürlich auch denkbar, dass die eigenen Anforderungen so ausgefallen sind, dass es noch keinen passenden Campingausbau dafür gibt. In so einem Fall beginnen dann die Überlegungen, ob man nicht selbst einen Ausbau in Angriff nimmt.Da ich bereits einen solchen Ausbau teilweise hinter mir habe, möchte ich hier ein paar Tipps geben wie man am besten vorgeht. Die Tipps beziehen sich nicht auf ein bestimmtes Fahrzeug mit einem bestimmten Ausbau, sondern sind allgemeine Vorüberlegungen und Planungen, damit man nicht viel Geld und Mühe in den Sand setzt. Es wird sich bei einem selbst ausgebauten Campingfahrzeug in der Regel um ein Wohn- oder Reisemobil oder einen Campingbus handeln. Einen Wohnwagen selbst auszubauen erscheint mir wenig sinnvoll, da ich auch keinen Anbieter für leere Wohnwagen kenne.

Die ersten Überlegungen gelten dem Basisfahrzeug. Will man ein neues oder ein gebrauchtes Fahrzeug verwenden? Ein Neufahrzeug bietet den Vorteil der modernsten Fahrzeugtechnik und der Neuwagengarantie, sowie aller anderen Vorteile die auch ein normaler PKW als Neuwagen bietet. Allerdings ist der Preis dafür auch höher. Entscheidet man sich zum Kauf eines Gebrauchtfahrzeugs, so sollte man suchen bis man ein Fahrzeug findet, das noch keinen Ausbau hat, da man nur so im Laderaum einigermaßen freie Sicht auf die Bleche hat um nach Rost zu suchen. Wenn man ein Fahrzeug sucht, auf das man eine Kabine aufsetzen kann, erübrigt sich das Untersuchen des Laderaums natürlich. Dies wird aber seltener der Fall sein, da man meist einen geschlossenen Kastenwagen als Basisfahrzeug wählt. Das Fahrzeug sollte soweit in Ordnung sein, dass man nicht das erste halbe Jahr nur mit entrosten beschäftigt ist.
Die nächste Überlegung gilt der Frage nach der Größe des Fahrzeugs. Will man mit 2 Erwachsenen und 2 Kindern verreisen dann braucht man natürlich mehr Platz, vorallem auch mehr genehmigte Sitzplätze al s wenn man nur als Paar verreist. Plant man allerdings ein Fahrzeug wirklich nur für ein Paar, dann schließt man von vornherein aus, das Fahrzeug auch mal mit mehreren Personen nutzen zu können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist lieber etwas mehr Platz einzuplanen als zu wenig. Eine Frage die auch in die Planung mit einfließen muss ist, ob auch ein Wintercampingurlaub eingeplant werden soll, oder das Fahrzeug nur im Sommer genutzt wird. Will man die Möglichkeit haben, einige Tage ohne das Anfahren eines Campingplatzes auszukommen, muss genügend Platz für eine Dusche mit entsprechend großem Frisch- und Abwassertank vorhanden sein. Auch die Auswahl der geplanten Reiseziele muss in die Fahrzeugwahl mit einfließen. Ist absehbar, dass die Urlaubsfahrten sich ausschließlich auf zentraleuropäischen Straßen abspielen ist ein Fahrzeug mit einer angetriebenen Achse ausreichend. Man muß sich nicht mit einem Allradfahrzeug belasten wenn es nicht nötig ist. Dies würde höheres Gewicht bedeuten, sowie einen erhöhten Wartungsaufwand und höhere Ersatzteilpreise. Plant man allerdings Fahrten nach Afrika oder weit hinauf nach Skandinavien so wäre ein Fahrzeug mit Allradantrieb geeigneter.

Bei der Planung des Innenausbaus muß man sich hinsichtlich des Gewichtes etwas im Zaume halten. Nicht alles was möglich ist, kann man auch zusammen einbauen. Man muss immer das zulässige Gesamtgewicht des Basisfahrzeugs im Auge behalten. Unter Umständen kann man vom Fahrzeughersteller eine Unbedenklichkeitsbestätigung erwirken, mit der man in den Fahrzeugpapieren das zul.Gesamtgewicht erhöhen lassen kann. Dennoch sollte man die mitreisenden Personen, das Wasser im Frischwassertank, das Gepäck und nicht zuletzt den Proviant nicht zu knapp einplanen. Dann kommt die Überlegung was in den Wohnraum eingebaut werden muss. Wieviel Stauraum für wieviele Personen wird benötigt? Es wird Platz für Kleidung und für persönliche Sachen gebraucht. Auch Platz für Vorräte sollte eingeplant werden, wenn man vorhat, längere Strecken zu überbrücken. Bei einem Mobil, mit dem man in entlegenere Gebiete fahren will sollte auch Stauraum für Werkzeug und Ersatzteile eingeplant werden. Wird im Wohnbereich eine Heizung gebraucht? Falls ja, was in den meisten Fällen so sein dürfte, dann muss man so planen dass man für die Heizung problemlos die Frischluftansaugung und das Abgasrohr legen kann. Welchen Kühlschrank möchte man verbauen? Reicht ein normaler Kühlschrank in Campinggröße, oder will man einen größeren verbauen? Zentral ist die Frage nach der Zahl der mitreisenden. Man muss für jeden Mitfahrer einen Sitzplatz mit Gurt einplanen. An die Befestigung der Gurte und die Ausführung der Sitzgelegenheit werden bestimmte Anforderungen gestellt. Dies sind wichtige Themen, die man am besten im Vorfeld bereits mit der TÜV-Prüfstelle, die den Umbau hinterher begutachten und abnehmen soll klärt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Prüfer viel Kooperativer sind, wnn sie von Anfang an in das Projekt mit einbezogen werden, als wenn man ihnen hinterher das fertige Mobil hinstellt und sie es abnehmen sollen. Wenn man sich dazu entscheidet, keine Heizung einzubauen, kann man auch überlegen ob man als Betriebsstoff für die Kochgelegenheit nicht gleich Benzin oder Spiritus verwendet. Dann kann man sich nämlich den aufwendigen Einbau einer Gasanlage auch sparen. Ein ebenfalls sehr wichtiger Punkt ist die Anordnung und Ausführung der Betten. Will man feste Betten braucht man mehr Platz als bei Betten die aus der Sitzgruppe gebaut werden. Baut man einen Bus um, kann man ein Klapp- oder festes Hochdach einplanen oder ein Basisfahrzeug suchen, das ein solches bereits hat. Vom Finanzamt werden Fahrzeuge steuerlich nur als Wohnmobil anerkannt, wenn an der Kochgelegenheit eine Stehhöhe von mindestens 1,70 Meter besteht.

Einen Frischwassertank baut man am besten in einen der Kästen unter den Sitzen im Wohnbereich ein. Alternativ könnte man mit einer Kanisterlösung im Küchenschrank oder in der Nasszelle planen. Man muss sich im klaren darüber sein, was die Vorteile und die Nachteile eines einfachen Ausbaus und eines Komfortausbaus sind. Der Aufwand um ein Fahrzeug mit einem einfachen Ausbau zu versehen ist wsentlich gernger und kostengünstiger. Auch die Störanfälligkeit ist hierbei geringer, denn was nicht vorhanden ist kann nicht kaputt gehen. Wenn keine Druckwasserleitung vorhanden ist kann auch keine Leitung platzen. Mancher möchte aber eben gerade im Urlaub nicht auf Komfort verzichten und möchte vielleicht gerade deshalb ein Reisemobil genau nach seinen wünschen selbst ausbauen. Dann hat man den Vorteil des luxuriöseren Campings. Diese Entscheidung muss mit allen Beteiligten getroffen werden. Allerdings muss man bei einem geplanten Selbstausbau auch immer die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen. Es hilft keinem wenn man gut plant und dann mit den anfallenden Arbeiten hoffnungslos überfordert ist.
Deshalb mein Tipp: Genau planen, viel Zeit nehmen und Messen und Ausstellungen besuchen. Da kann man sich viele Anregungen und Lösungsmöglichkeiten abgucken. Lieber einmal mehr überlegen und zögern als mit einer Lösung leben mit der man nicht zufrieden ist.
In diesem Sinne: Viel Spaß beim analysieren und planen.

